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Fotografie, Naturliebe

Jizerka

Im Mai hat es mich zu einem kleinen Herzensort in Tschechien verschlagen:
Nach Jizerka.
Jizerka liegt unweit der Grenze zu Deutschland im Isergebirge.
Das Isergebirge bildet das Verbindungsstück zwischen dem Zittauergebirge und dem Riesengebirge in Tschechien als dem Krkonoše.
Vor 4 Jahren fuhr ich im September, auf der Rückreise aus der Slowakei mehr oder weniger zufällig dort vorbei und nach einer mehrstündigen Wanderung von der Talsperre Souš, durch die dichten Wälder und Moore eröffnete sich mir auf einer Hochebene dieses kleine Dörfchen.
Es hat mich sofort mit seinem urigen Charm verzaubert und im darauffolgenden Jahr kehrte ich im August für ein paar Tage zurück.

2022 blieb ich im Oktober dann gleich für zwei Wochen und nach einer Pause im Jahr 2023 kam ich dieses Jahr im Mai zurück.
Doch was finde ich eigentlich so besonders an diesem Ort?

Ich taufte diesen kleinen Ort „mein kleines Büllerbü” nur eben in Tschechien statt in Schweden…
Einiges erinnert hier aber tatsächlich sehr an Schweden.
Da wären z.B. die Trollblumen im Mai, das viele Wollgras in den Mooren, die Fichtenwälder und Holzhäusschen.

Jizerka liegt auf einer Hochebene und besteht aus noch 23 Holzhäusern.
Darunter eine ehemalige Schule, ein großes Herrenhaus und eine steinerne Glashütte sowie ca. 20 weiteren Holzhäusern die sich über die Hochebene verteilen.
Die Hochebene ist komplett von dichtem, weitläufigen Wald und sanften Hügeln umschlossen.
Es gibt eine einzige Zufahrtsstraße und durch die gesamte Hochebene schlängelt sich das kleine Flüsschen Jizerka (Saphirflössel).

Wenn man nach Jizerka einfährt, fährt man zunächst eine ganze Strecke durch den Wald, über eine schmale Straße und plötzlich erstreckt sich vor einem ein kleines Tal mit einer Ansammlung kleiner Häusschen.
Ringsherum gibt es, wie schon erwähnt, sehr viel Wald aber auch ein großes Moor und Felsformationen.
Zudem liegt der kleine Ort zum Fusse des „Hausberges“ Bukovec (Buchberg 1005 m).

Man kann dort einiges erwandern und Entdecken wie z.B. eine Wanderung auf den Bukovec, von dem man bis zum höchsten Berg Tschechiens, der Schneekoppe und über Jizerka blicken kann.
Oben auf dem Bukovec hat man sogar die Möglichkeit, sich in ein Gipfelbuch eintragen zu können.
Auf der anderen Seite geht es dann steil nach unten, wo man trittsicher und auch etwas schwindelfrei sein sollte und kommt am Parkplatz am Ortseingang wieder raus.
Rund um den Bukovec siedeln sich durch die warmen Quellgebiete einige, besondere Blumen wie z.B. die Trollblumen an, die im Mai erblühen aber auch der Schwalbenwurzige Enzian ist zu finden.
In den Wäldern und Mooren rund um Jizerka sind auch viele Wildtiere wie z.B. Wolf, Auerhahn, seltene Falterarten, einige Rehe und Hirsche beheimatet.

Oder Man folgt der Jizerka durch dichten Wald bis zur polnischen Grenze.
Dort lassen sich dann viele Felsforamtionen finden und der Fluss wird immer breiter.

Auch eine Wanderung in die entgegengesetzte Richtung, immer an der Jizerka entlang zu den Isermooren kann ich empfehlen.
Von dort kann man auf einem Holzsteg das Moor überblicken.
Im Moor selber wachsen seltene, fleischfressende Pflanzen und das typische Wollgras.
Wenn man früh morgens zur Auherhahnbalz kommt, sind diese kaum zu überhören und viellicht bekommt man sogar einen zu Gesicht.
In den Mooren und der Jizerka wurden im 15. Jahrhundert Edelsteine wie Rubine, Saphire, Smaragde, Titaneisensteine u.v.w. gefunden von von da an wurde immer wieder, bis ins 19. Jahrhundert nach den Edelsteinen geschöpft und nach ihnen gesucht.

In Richtung der Moore kann man auch den Pytlácke kameny (Raubschützenfelsen, 975 m) erblicken.
Eine beeindruckende Felsformation die auf dem Mitteliserkamm thront.
Diese kann man auf einer Rundwanderung ebenfalls besuchen.

Jizerka erlebt durch seine Lage meist harte und lange Winter, weshalb man auch noch Anfang/Mitte Mai die Narzissenblüte im Ort erleben kann.

Das Misthaus

Im Ort liegt auch das berüchtigte „Misthaus“ von dem bereits verstorbenem Gustav Ginzel. 
Gustav Ginzel war Geologe, Bergsteiger, Höhlenforscher, Umwellt/Naturschützer, Autor u.v.m.
Er kaufte einst ein Stallgebäude in Jizerka in welchem sich der „Mist“ türmte.
Um das Gebäude vom „Mist“ zu befreien und schließlich als Wohnhaus zu nutzen, leitete er einen Bach um und schwämmte das gesamte Haus aus.
Gustav Ginzel trug in seinem Haus allerhand „Schätze“ und Kuriositäten von seinen vielen Reisen und Expeditionen zusammen und veranstaltete Touren sowie Vorträge.
Zur Zeiten der DDR erlebte Jizerka dadurch einen großen Andrang an Besuchern und Tagestourlern.
Der Besucherrekord lag wohl bei 300 Personen an einem Tag.
Nach dem Fall der Mauer ebbte dieser Andrang jedoch ab und Gustav Ginzels verstarb 2008 im Allgäu.

Die meisten der 23 verblieben Häuser werden heute Touristisch, als Unterkunft genutzt und in der Schule befindet sich nun ein kleines Museum zur Geschichte von Jizerka.
Von ca. 153 Menschen, die einst in Jizerka gelebt haben sollen, sind heute nur noch ca. 8 Einwohner mit festem Wohnsitz dort gemeldet.
Die Umgebung ist auf den Wander- und vor allem im Winter, auf den Ski/Langlauftourismus ausgelegt.

Doch wenn man in der untergehenden Sonne am Hang des Bukovec sitzt, dass Tal fast für sich ganz alleine hat und über das kleine Örtchen mit dem Herrenhaus und der kleinen Schule blickt, kann man fast noch erahnen, wie es zu einer längst vergangenen Zeit hier zugegangen sein muss.
Und eben dieser urige Charme und die umliegende Natur ist es, die mich jedes mal aufs neue anlockt und Träumen lässt.

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